Medizinisch enterale Ernährung

Versorgung von Betroffenen mit Trink- und Sondennahrung

Mangelernährung kann jeden treffen – unabhängig von der Grunderkrankung. Ca. 1,5 Millionen Betroffene benötigen eine enterale Ernährungstherapie. Spezialisten der Homecare-Unternehmen begleiten den Patienten in der Versorgung.

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Was heißt eigentlich medizinische enterale Ernährung?
Die medizinische enterale Ernährung ist eine besondere Form der Ernährung: Anstelle von normaler Kost wird Trink- oder Sondennahrung eingesetzt, um den Körper mit lebensnotwendigen Nährstoffen zu versorgen. Enterale Ernährung kommt dann zum Einsatz, wenn es Patienten nicht mehr möglich ist, normales Essen in ausreichender Menge zu sich zu nehmen.Die Zufuhr der notwendigen Nährstoffe erfolgt dann entweder durch Trinknahrung oder mittels einer Sonde unter Umgehung von Mund, Speiseröhre, direkt in den Magen oder Dünndarm. Beide Formen können ausschließlich oder ergänzend zur normalen Kost gegeben werden. Voraussetzung für die Durchführung der enteralen Ernährung ist eine ausreichende Nährstoffaufnahme/- Resorption über den soweit funktionsfähigen Magen-Darm-Trakt.

Was kann medizinische enterale Ernährung leisten?
Mit rechtzeitig eingeleiteten ernährungstherapeutischen Maßnahmen können der Ernährungs- und Allgemeinzustand verbessert und eine Mangelernährung verhindert werden.
Die häufigsten Gründe für einen therapiebedürftigen Ernährungszustand sind ein erhöhter Nährstoffbedarf (z.B. bei konsumierenden Erkrankungen wie Krebserkrankungen, chronischen Erkrankungen) und die gleichzeitig unzureichende Nährstoffaufnahme. Zu den ersten Anzeichen einer Mangelernährung gehört unter anderem oft ein ungewollter Gewichtsverlust innerhalb kurzer Zeit. Eine Mangelernährung schwächt u. a. das Immunsystem, führt zu Muskelabbau und somit zum Verlust wichtiger motorischer Fähigkeiten. Dies wiederum kann Folgeerkrankungen nach sich ziehen oder den Heilungsprozess insgesamt verzögern.
Speziell bei Kindern ist die enterale Ernährungstherapie auch unter dem Aspekt der körperlichen und geistigen Entwicklung durchzuführen. Hier kommt es darauf an, den Körper so gut als möglich beim Wachstum zu unterstützen.
Trink- und Sondennahrungen müssen also an die spezielle Krankheitssituation des Patienten angepasst sein. Denn nur, wenn die individuelle Entwicklungssituation und die Stoffwechselfunktion berücksichtigt werden und die Nahrung auch resorbiert werden kann, erfüllt sie ihren therapeutischen Zweck.

Was leisten Homecare-Unternehmen im Rahmen der medizinischen enteralen Ernährung?
Homecare-Unternehmen ermöglichen den Patienten eine individuelle und fachgerechte Versorgung mit enteraler Nahrung in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung. Eine enterale Ernährungstherapie in der häuslichen Umgebung sorgt für mehr Unabhängigkeit, Mobilität und Lebensfreude der Patienten - mit professioneller Unterstützung durch ein Homecare-Team. Ziel der Homecare-Versorgung ist es, den betroffenen Patienten zu Hause ein möglichst selbstbestimmtes Leben in der gewohnten häuslichen Umgebung zu ermöglichen. Von der Unterstützung und dem Schnittstellenmanagement der Homecare-Unternehmen können Patienten, deren Angehörige und Ärzte profitieren. Durch folgende beispielhaft aufgeführte Leistungen erbringen Homecare-Teams nach der Entlassung aus der Klinik einen wichtigen Beitrag zum bestmöglichen Therapieerfolg:
  • Qualifizierte, einfühlsame und lückenlose Betreuung ab dem ersten Entlassungstag aus der Klinik und auf Wunsch regelmäßige Besuche
  • Unterstützung bei der Erstellung von individuell abgestimmten Ernährungs- und Kostaufbauplänen in Absprache mit der Klinik und dem Hausarzt und kontinuierliche Anpassung an den aktuell festgestellten Ernährungsstatus
  • Beratung zur Verordnungsfähigkeit der enteralen Ernährung und Klärung von Formalien mit der GKV
  • Bedarfsgerechte Belieferung mit Trink- und Sondennahrung, Applikationstechnik sowie Zubehör
  • Entlastung bei medizinischen Leistungen (z.B. Reparaturen, Buttonwechsel)
  • 24 Std.- Rufbereitschaft
  • Regelmäßige und lückenlose Dokumentation des Therapieverlaufes

Flankiert werden diese Leistungen durch die Unterstützung der Angehörigen und Pflegenden. Die Fachkräfte der Homecare-Unternehmen setzen mit den Patienten oder eingebundenen Pflegekräften Konzepte um, die an aktuellen wissenschaftlichen Empfehlungen und Leitlinien ausgerichtet sind.

Patientengeschichte:
Mangelernährung hat bei Kindern besonders gravierende Folgen – das reicht von der Wachstums- und Entwicklungsstörung bis zu Antriebslosigkeit und daraus resultierenden Problemen im sozialen Umfeld. Wenn ein Kind seine Freunde selten sieht, keine Lust zum Spielen hat und auch am Geburtstag die eigene Geburtstagstorte nicht essen kann, hat das weit über die Grunderkrankung hinaus psychische Konsequenzen. Für die Kinderheilkunde (Pädiatrie) ist Enterale Ernährung daher eine große Herausforderung, die viel Fingerspitzengefühl erfordert und nur in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit Spezialisten funktioniert.
Es gibt heute bilanzierte Diäten und Spezialnahrungen, die hoch differenziert Nährstoffe auf die Entwicklungsphasen und Krankheitsbilder der Kinder abstimmen. Durch eine mit den Eltern, Ärzten und einem geschulten Ernährungs-Team abgestimmte bedarfsgerechte Ernährungstherapie kann den Eltern die Angst genommen werden, ihr Kind könnte nicht bedarfsgerecht oder ausreichend versorgt sein. So entstehen notwendige Freiräume für die weitergehende Therapie.

So berichtet die Mutter eines fünfjährigen Jungen, der wegen eines Gen-Defekts mehrfach behindert ist und durch eine Lungenentzündung 8 Kilogramm Gewicht verloren hatte, wie sich ihr Alltag durch den Einsatz einer PEG-Sonde verändert hat:

„Noch im Krankenhaus wurde ich mit dem Umgang der PEG und deren Pflege von den Schwestern der Station sehr gut angelernt. Nach kurzer Zeit war die Einstichstelle völlig reizlos und meine Sorgen wurden langsam weniger. Leider verlernte Fabian durch den langen Krankenhausaufenthalt (3 Monate) das Trinken von der Flasche ganz. Das Essen über den Mund (Fabian löffelt sehr gerne Pudding) hat er zum Glück nicht verlernt. Wieder zu Hause, wurden wir von einer Ernährungsschwester betreut. Sie kümmert sich um Fabians Nahrung, die er tagsüber und auch in der Nacht über die PEG-Sonde bekommt. Sie bestellt uns alle Sachen zur Pflege der PEG und hat auch sonst für alle Fragen und Sorgen stets ein offenes Ohr. Heute, wenn ich so zurückblicke, kann ich sagen, es war die richtige Entscheidung. Unser Leben mit der PEG-Sonde ist viel einfacher geworden. Der ständige Druck, Fabian müsse etwas essen, ist völlig verschwunden. Fabian braucht jetzt nur noch das essen, was ihm schmeckt und so viel er möchte. Ohne Zwang (der Rest wird über die PEG sondiert). Alle Arzneimittel braucht er nicht mehr über den Mund aufzunehmen. Durch die tägliche Pflege der Einstichstelle gab es keinerlei Probleme mit der PEG. Wir haben jetzt mehr Zeit für andere gemeinsame Unternehmungen. Fabian hat seitdem schon 4 kg zugenommen. Durch die PEG-Sonde wird er nicht ‚gemästet‘ und wird auch nie so viel wiegen wie ein gesundes Kind in seinem Alter. Doch diese zusätzlichen Kilos geben ihm einfach Kraft und Energie, die er braucht, um Infekte besser wegzustecken und sich besser zu entwickeln. Wie lange Fabian seine PEG-Sonde zur Ernährung brauchen wird, hängt ganz von ihm ab. Würde sich sein Essverhalten so zum Positiven verändern, wäre es jederzeit möglich, die PEG wieder entfernen zu lassen.“

Sondenentwöhnung wird heute von Anfang an als begleitende Therapieform eingesetzt. Kinder sollen auf keinen Fall das Essen und Trinken verlernen. Und: Sie sollen auch bei den Mahlzeiten dazugehören – in der Familie, bei Freunden, im Kindergarten und der Schule.

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