Mobilität und Rehatechnik

  • 4,52 Millionen Menschen in Deutschland haben eine körperliche Behinderung. Homecare-Rehatechnik ermöglicht vielen von ihnen ein selbstbestimmtes, unabhängiges und aktives Leben.
    Rehatechniker begleiten den Patienten in der Versorgung. Mobilitäts-Experten fördern durch ihre Leistungen ein Leben in der gewohnten Umgebung.

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    Was ist unter Mobilität zu verstehen?
    Der Begriff Mobilität bezeichnet die aktive Bewegung von Personen oder passiv die Beweglichkeit von Körperteilen oder Organen. Die Bewegungsfähigkeit wird in pflegerischen Konzepten auch eine „grundlegende Aktivität des täglichen Lebens“ genannt. Die Fähigkeit zur Eigenbewegung von Personen umfasst verschiedene Steuerungsvorgänge und Bewegungsabläufe:

    • Mentale Steuerung (Willen, Entschluss, Koordination der Muskelbewegung)
    • Positionsveränderungen im Liegen oder Sitzen aus eigener Kraft
    • Transfer, den Übergang von einer solchen Position in eine andere oder in eine kontinuierliche Bewegung (z.B. vom Bett auf den daneben stehenden Stuhl)
    • Gehen (auch Krabbeln, Rutschen, Kriechen)
    • Stehen oder Halten einer gebeugten Position (Gleichgewicht, Belastung aushalten, auch Sich-Stützen)
    • Fortbewegung (auch mit Hilfsmitteln wie Fahren im Rollstuhl oder mit einem individuell angepassten PKW, Gehen mit Unterarmgehstütze, Rollator, Gehwagen etc.)

    Welche Grade der Eigenbewegung gibt es?
    Ein Ausdruck für die Fähigkeit zur Eigenbewegung in der Rehabilitationsmedizin oder der Orthopädietechnik sind die Mobilitätsgrade. Mobilitätsgrade werden fünffach abgestuft von Null bis Vier. Sie sind Funktionsbeschreibungen, besonders auch im Umgang mit Hilfsmitteln oder Beinprothesen (Unterschenkel oder Bein).
    • 0: Die Fähigkeit zur Bewegung vom Platz weg fehlt (z.B. beinamputierte Person).
    • 1: Die Fähigkeit, ein Hilfsmittel für den Transfer oder zur Fortbewegung auf ebenen Böden mit geringer Geschwindigkeit zu nutzen. Gehdauer und Gehstrecke ebenso wie die Stehfähigkeit sind stark begrenzt (wenige Meter). Auch als Innenbereichsgeher bezeichnet.
    • 2: Man kann mit dem Hilfsmittel wie der Prothese mit geringer Geschwindigkeit gehen und niedrige Umwelthindernisse, wie Bordsteine, einzelne Stufen oder unebene Böden, überwinden. Auch als eingeschränkter Außenbereichsgeher bezeichnet.
    • 3: Man kann sich (evtl. mit Hilfsmittel) in mittlerer bis hoher, auch veränderlicher, Gehgeschwindigkeit fortbewegen und dabei die meisten, üblichen Umwelthindernisse überwinden (Klettern wäre nicht üblich). Auch als uneineingeschränkter Außenbereichsgeher mit durchschnittlichen Aktivitäten bezeichnet.
    • 4: Der Patient kann sich wie der uneingeschränkte Außenbereichsgeher fortbewegen. Gehdauer und Gehstrecke sind jedoch nicht limitiert. Auch als uneingeschränkter Außenbereichsgeher mit besonders hohen Ansprüchen oder als hochaktiv bezeichnet.

    Welche Mobilitätshilfen gibt es?
    In der Mobilitäts- und Rehatechnik werden unterschiedliche Hilfsmittel angeboten. Die Auswahl erfolgt je nach individueller Einschränkung des Patienten:
    • Krankenfahrzeuge: Dazu gehören u.a. Scooter und (Elektro)-Rollstühle. In Kombination mit bestimmtem Zubehör können diese individuell auf die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden.
    • Badehilfen: Die Hilfsmittel erleichtern die Körperpflege, indem sie das Agieren im Bad ermöglichen. Dazu zählen u.a. Sicherheitsgriffe, Duschhocker oder Badewannenlifter.
    • Geh- und Stehhilfen: Auch hier gibt es verschiedene Hilfsmittel. Je nach Behinderung empfiehlt sich die Nutzung von Gehstützen, fahrbaren Gehgestellen, Stehhilfen oder Rollatoren. Diese Hilfsmittel werden darüber hinaus zu Therapiezwecken eingesetzt, um den Patienten langfristig vom Hilfsmittel unabhängig zu machen.
    • Mobilitätshilfen: Darunter fallen Teppensteighilfen, Treppenlifter, Patientenlifter oder Aufstehhilfen. Sie können den Alltag der Patienten erleichtern und ermöglichen den Verbleib in den eigenen vier Wänden.

    Wie viele Betroffene gibt es?
    4,54 Millionen Menschen in Deutschland haben eine körperliche Behinderung. Viele von ihnen benötigen Hilfsmittel zur Verbesserung ihrer Mobilität. Darüber hinaus benötigen viele Menschen, die keinen Grad der Behinderung vorweisen, Mobilitätshilfen.

    Was leisten Homecare-Unternehmen?
    Rehatechniker begleiten den Patienten in der Versorgung z.B. durch
    • individuelle Beratung im häuslichen oder stationären Umfeld - teilweise ein Leben lang,
    • Hilfestellung bei der Auswahl des geeigneten Hilfsmittels im Hinblick auf die körperlichen Einschränkungen und häuslichen Gegebenheiten,
    • Einweisung und Schulung in die Handhabung der Hilfsmittel,
    • Abstimmung mit anderen Reha- und Mobilitätsexperten, wie Therapeuten oder Orthopädietechnikern.

    Was ist der Nutzen für den Patienten?
    Patienten können dank der Leistungen von Mobilitäts-Experten ein Leben in ihrer gewohnten Umgebung führen und ihnen wird der Aufenthalt in stationären Einrichtungen trotz Krankheit und Pflegebedürftigkeit erspart. Zudem wird der Heilungsprozess durch die Auswahl des richtigen Hilfsmittels ermöglicht und kann bestenfalls zu einer völligen Unabhängigkeit vom Hilfsmittel führen.

    Patientengeschichte: Zurück ins Leben dank neuer Technik
    Frau K. war gerade mit ihren Zwillingen schwanger, als sie ganz unvermittelt eine Gehirnblutung traf. Sie fiel ins Koma und als sie wieder erwachte war sie halbseitig gelähmt und auf einem Auge erblindet. Ihre Babys hatten das Unglück überlebt, kamen aber als Frühchen zur Welt. Die Bewegungseinschränkungen machten das Leben für Frau K. fast unerträglich...

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  • Versorgungs-Vielfalt keine Selbstverständlichkeit.

    Rehatechnische Versorgungen sind oft komplex und binden viel Fachpersonal. Speziell im Rahmen der häuslichen Pflege, aber auch des Entlassmanagements vom stationären in den ambulanten Bereich, kommt den Rehafachbetrieben hier eine Schlüsselrolle zu. Gute Versorgungsnetzwerke und faire Verträge mit den Kostenträgern bilden dabei eine zentrale Grundlage.
    Dies ist eine der Kernbotschaften von Gerhard Greiner (Geschäftsführer des RSR und Sprecher der Arbeitsgruppe Rehatechnik im BVMed) im Gespräch mit der Fachzeitschrift MTD.

    Übernahme mit freundlicher Genehmigung des MTD-Verlages:
    Seitz, W.-D.: Versorungs-Vielfalt keine Selbstverständlichkeit, in: MTD 5/2016, S. 42-44.

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