Innovationsfonds bietet Chancen für Homecare-Versorgung

Homecare-Management-Kongress in Berlin

Homecare-Unternehmen können zur Bewältigung der Zukunftsherausforderungen des deutschen Gesundheitssystems beitragen. Dabei geht es vor allem darum, den stationären und den ambulanten Bereich besser zu verzahnen sowie Patienten, die auf medizinische Hilfsmittel angewiesen sind, möglichst lange zuhause zu versorgen. Das machten die Experten des Homecare-Management-Kongresses von MedInform, der am 13. und 14. Oktober 2014 in Berlin stattfand, deutlich. MedInform ist der Informations- und Seminarservice des BVMed. Schwerpunktthema des Kongresses war die Sicherstellung der Versorgungsqualität im Rahmen der ambulanten Hilfsmittelversorgung. Derzeit sind in Deutschland rund sechs Millionen Menschen ständig auf Hilfsmittelversorgungen angewiesen.


"Ziel von Homecare ist es, Patienten eine ambulante Therapie mit beratungsintensiven Hilfsmitteln und den dazugehörigen Dienstleistungen zu ermöglichen", sagte BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt zur Eröffnung des Kongresses. Durch den medizintechnischen Fortschritt könnten zunehmend Krankenhaustherapien ambulant erbracht werden. Homecare-Unternehmen sind mit ihrer Produkt- und Dienstleistungsqualität zu einem unverzichtbaren Bestandteil ambulanter Patientenversorgung geworden. "Homecare steht für eine sektorenverbindende Versorgungsform, die nach dem Grundsatz ambulant vor stationär arbeitet", so Schmitt.

Ministerialrat Joachim Becker, Leiter der Unterabteilung Krankenversicherung im Bundesgesundheitsministerium (BMG), gab zu Beginn des Kongresses einen Überblick über Herausforderungen und Lösungsansätze in den ambulanten Versorgungsstrukturen. Als größte Herausforderungen nannte er die demografische Entwicklung, den medizinischen Fortschritt, den Ärzte- und Pflegekräftemangel, den Strukturwandel in der stationären Versorgung und die Finanzierbarkeit des Systems. Wichtig sei, für die Menschen die Erreichbarkeit der Versorgung – möglichst wohnortnah – sicherzustellen. Hierbei sei Homecare ein wichtiger Bestandteil. Um die Sektoren besser zu vernetzen und sinnvolle Versorgungsmodelle zu entwickeln, werde ein neuer "Innovationsfonds" gestartet, der mit 300 Millionen Euro ausgestattet ist. Er biete gute Chancen für die Homecare-Versorgung. Becker appellierte an die Homecare-Unternehmen, mit eigenen Anträgen in den Ideenwettbewerb des Innovationsfonds einzusteigen. Weitere wichtige Aspekte für die ambulante Versorgung seien die Themen Delegation und Vernetzung.

In der gesundheitspolitischen Podiumsdiskussion sprachen sich Vertreter aller Parteien dafür aus, neue Versorgungsmodelle stärker "vom Patienten her" zu denken. Aufgrund der älter werdenden Bevölkerung mit mehr Pflegebedürftigen auf der einen, aber weniger Pflegefachkräften auf der anderen Seite, gehe es verstärkt darum, Versorgung im häuslichen Bereich nach dem Grundsatz "ambulant vor stationär" anzubieten. Bei der "Fortführung von Therapien im Krankenhaus in das ambulante Umfeld" würden Homecare-Unternehmen eine wichtige Rolle spielen.

Hilde Mattheis, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, bezeichnete die Versorgung im häuslichen Bereich als einen "wichtigen Baustein" in der Gesundheitsversorgung. Sie plädierte dafür, den Grundsatz "ambulant vor stationär" weiter zu stärken und das Schnittstellenmanagement zwischen den Sektoren zu verbessern. Dafür müssten den Patienten "niedrigschwellige Angebote" unterbreitet werden, um die Versorgung besser zu organisieren.

Dr. Roy Kühne, CDU-Abgeordneter und Mitglied des Gesundheitsausschusses, sprach sich dafür aus, "Versorgung neu zu denken" und neue Ansätze zu entwickeln, um den Patienten in den Mittelpunkt der Versorgungskonzepte zu rücken. Die Ansätze von Homecare-Unternehmen seien hier sinnvoll und "eigentlich selbstverständlich": Es gehe darum, die verschiedenen Mitwirkenden durch Kommunikation zusammenzubinden und Versorgung so besser zu organisieren.

Maria Klein-Schmeink, gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, forderte ebenfalls, die Versorgungssysteme "vom Patienten her zu denken". Im Mittelpunkt müsse die Frage stehen: "Was braucht der Patient, um möglichst lange zuhause selbstbestimmt leben zu können?" Denn die Menschen wollten in der Regel selbständig zuhause bleiben. Versorgungskonzepte müssten vom konkreten Unterstützungsbedarf her gedacht und mehr Kompetenzen in die Regionen gegeben werden.

Harald Weinberg, gesundheitspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Linken, betonte die Notwendigkeit, Pflegekräfte besser auszubilden und ihnen mehr Wertschätzung entgegen zu bringen. Er plädierte dafür, integrierte Versorgungsansätze besser zu organisieren und eine stärkere Vernetzung der Versorgungspartner durch sinnvolle Kooperationen zu erreichen.

Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von der Fernsehjournalistin Karin Vanis.

Was ist Homecare?

Homecare-Unternehmen versorgen Patienten

  • mit beratungsintensiven und erklärungsbedürftigen Hilfsmitteln/Medizinprodukten, Verbandmitteln und Arzneimitteln,
  • durch geschultes, speziell ausgebildetes Fachpersonal mit nachgewiesenen Ausbildungsqualifikationen und medizinischen Kenntnissen,
  • im Rahmen einer ärztlichen ambulanten Therapie,
  • in ihrer häuslichen Umgebung oder im Pflegeheim.


Dazu sind zahlreiche Kooperationsformen entstanden. Der Homecare-Management-Kongress stellte hierzu erste Erfahrungsberichte aus dem ambulanten Bereich vor.

Hinweis an die Medien: Druckfähige Bilder zum Kongress können unter www.bvmed.de/bildergalerien heruntergeladen werden.

Medienkontakt:
Manfred Beeres
Leiter Kommunikation/Pressesprecher
Tel: +49 30 246 255-20
E-Mail: beeres(at)bvmed.de

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